Unser Abendritual – die schönsten Gespräche entstehen bei uns oft erst am Abend ♡
- Bine Sonnenwald
- 21. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Abende, da bin ich selbst einfach müde vom Tag.
Die Küche sieht noch chaotisch aus. Irgendwo liegt noch Wäsche. Im Kopf schwirren tausend Gedanken herum.
Und trotzdem gibt es diesen einen Moment am Abend, auf den ich mich jedes Mal freue.
Wenn ich leise sage:
„Mondmann und Sandmann warten schon auf euch.“
Dann wird es plötzlich ganz ruhig.
Die Kinder schauen sich an, springen aus ihren Betten oder kommen angelaufen und wir gehen gemeinsam ins Schlafzimmer.
Dort liegt unsere Filzmatte schon bereit. Mit dem kleinen Sterntaler-Mädchen, das ich einmal selbst gefilzt habe. In der Mitte liegt unser blauer Erzählstein. Oft läuft leise Musik im Hintergrund und das warme Licht der Kerze macht alles irgendwie weich.

Und jedes Mal denke ich mir:
Genau so möchte ich, dass sich Kindheit anfühlt.
Nicht perfekt. Nicht geschniegelt. Sondern warm. Sicher. Liebevoll.
Früher waren unsere Abende oft schwierig
Gerade unsere Tochter konnte abends oft nicht einfach „abschalten“.
Der Tag hing noch in ihr fest.
Zu viele Eindrücke. Zu viele Gefühle. Zu viele Gedanken.
Manchmal kamen die Tränen erst am Abend. Manchmal die Wut. Manchmal plötzlich Ängste, über die tagsüber nie gesprochen wurde.
Und ich hatte oft das Gefühl, dass sie eigentlich gar nicht schwierig war…
… sondern einfach noch voller Gefühle.
Heute verstehe ich das viel besser.
Unser kleiner Zaubermoment vor dem Schlafengehen
Bevor Mondmann oder Sandmann kommen, sprechen wir immer gemeinsam unseren kleinen Spruch:
„Erzählstein, Erzählstein oh wie schön oh wie fein. Meine Geheimnisse werden in dir sein. Bring uns Glück und Mut, dann werden unsere Träume gut.“
Allein dieser Moment verändert die Stimmung.
Die Kinder werden ruhiger. Näher. Irgendwie weicher.
Und ehrlich? Ich glaube manchmal, ich brauche dieses Ritual genauso sehr wie sie.
Dann kommen Mondmann und Sandmann ♡
Unsere kleinen selbstgemachten Filzfiguren wechseln sich jeden Abend ab.
Und auch wenn es nur zwei kleine Figuren sind – für die Kinder sind sie etwas ganz Besonderes geworden.
Dann hören wir zum Beispiel:
„Guten Abend liebe Lilli. Guten Abend lieber Tobias. Schön, dass ihr da seid.“
Und plötzlich fühlt sich alles ganz leicht an.
Nicht wie ein stressiger Abend. Nicht wie „Jetzt müsst ihr aber schlafen“.
Sondern wie gemeinsame Zeit.
Wie ein sicherer kleiner Hafen nach einem langen Tag.
Der Erzählstein hat bei uns so viel verändert
Wer den Erzählstein in der Hand hält, darf sprechen.
Und alle anderen hören einfach nur zu.
Ohne Unterbrechen. Ohne Verbessern. Ohne schnelle Lösungen.
Nur zuhören.
Und manchmal erzählen die Kinder wunderschöne Dinge.
Von einem Käfer im Garten. Von einem lustigen Moment in der Schule. Von etwas, das sie stolz gemacht hat.
Aber manchmal kommen auch die leisen Dinge.
„Ich dachte heute, niemand mag mich.“
Oder:
„Das war mir alles zu laut.“
Und genau dafür liebe ich dieses Ritual so sehr.
Denn viele Gefühle kommen erst dann heraus, wenn endlich Ruhe da ist.
Hochsensible Kinder brauchen oft keinen Rat – sondern Verbindung
Früher dachte ich oft, ich müsste alles lösen.
Die richtigen Antworten haben. Sofort helfen. Alles besser machen.
Aber inzwischen glaube ich:
Unsere Kinder brauchen gar nicht immer Lösungen.
Manchmal brauchen sie einfach nur einen Ort, an dem ihre Gefühle da sein dürfen.
Einen Ort, an dem jemand wirklich zuhört.
Und genau das ist unser Abendritual geworden.
Ein kleiner täglicher Moment voller Nähe, Ruhe und Verbindung.
Die schönsten Erinnerungen entstehen oft in den kleinsten Momenten
Wenn ich die beiden dann später schlafen sehe, denke ich manchmal daran, wie schnell diese Zeit eigentlich vergeht.
Irgendwann werden Mondmann und Sandmann vielleicht nicht mehr gebraucht.
Aber ich hoffe so sehr, dass dieses Gefühl bleibt.
Dieses Gefühl von:
Ich werde gehört. Ich bin wichtig. Mit meinen Gefühlen bin ich nicht falsch.
Und vielleicht erinnern sich meine Kinder später gar nicht an jedes einzelne Gespräch.
Aber vielleicht erinnern sie sich daran, wie es sich angefühlt hat.
Warm. Sicher. Geborgen. ♡
Viele fragen mich inzwischen nach unserer Filzmatte oder den kleinen Figuren von Mondmann und Sandmann – deshalb mache ich dazu bald noch einen eigenen Beitrag. ♡



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